FRISEURMEISTER RAINER HAUBER IM GESPRÄCH MIT DEM CARE MAGAZIN: KOPFHAUTGESUNDHEIT UND NATÜRLICHE HAARPFLEGE.
Das Magazin CARE von Reviderm hat Rainer Hauber interviewt und um Stellungnahme zur Frage gebeten: Kann man ein DinA4 großes Hautareal – die Kopfhaut – bei der Pflege komplett ignorieren?
Hier der Text des Artikels – mit freundlicher Genehmigung von care Magazin/ Reviderm:
„KLARER FALL
HAARVERSTEHER Rainer Hauber liebt schöne Haare – und er weiß, wie man sie bekommt.
Zu Rainer Hauber kommen Menschen, denen natürliche Schönheit am Herzen liegt: Sein Salon zählt zu den bekanntesten Münchner Adressen für nachhaltige Haarpflege und pflanzliche Farbe. „Organic Hair Salon für naturschönes Haar und präzise Handwerkskunst“, so lautet der Leitspruch, unter dem Hauber und sein Team auf den Friseurstuhl bitten. Und doch ist bei etwa jedem zweiten Neukunden die Kopfhaut im Ausnahmezustand.
An Nachlässigkeit liegt das nicht. Oft verantworten häufiges Waschen mit ungeeigneten Shampoos und heißes Föhnen die Probleme, weil sie durch fortlaufende Dehydrierung die Kopfhaut aus dem Gleichgewicht bringen. „Dann sehen wir Rötungen und feine Schüppchen, und die Menschen klagen über Juckreiz.“ Richtig ernst wird’s, wenn sich auch beim Haarstyling viel Mühe gegeben wird.
„Wenn wir bei Neukunden mit massiven Kopfhautproblemen nach der Pflegeroutine fragen, hören wir oft, dass reichlich Glanz- und Haltgeber verwendet worden sind.“ Manchmal könne man die Ablagerungen der Styling-Produkte bei der Berührung regelrecht spüren, erzählt er. Kommen zu ungeeigneten Pflegeroutinen noch anlagebedingte Faktoren wie ein Hang zu Neurodermitis, „explodiert“ die Lage regelrecht, erzählt der Friseurmeister.
Nicht selten wird der Big Bang auch durch Färbemittel gezündet. Haubers Salon, bekannt für seine „Organic Colors“, ist Anlaufstelle für viele, die ihre natürliche Haarfarbe nicht mögen, aber keine konventionelle Coloration mehr wollen. Zum Beispiel während einer Schwangerschaft. Oder weil ihre Kopfhaut nach jahrzehntelangem Färben plötzlich auf Alarmstufe Rot schaltet, nachdem nur kurz die Ansätze korrigiert wurden.
„Kopfhaut im Ausnahmezustand ist keine Ausnahme. Wir sehen sie täglich.“
Rainer Hauber, Münchner Friseurmeister
Hauber wundert nicht, dass so etwas immer wieder passiert. Auch wenn die geltenden Regularien chemische Farben sicherer machen sollen: „Rosenwasser sind die Mixturen aus Peroxid und chemischen Pigmenten immer noch nicht.“
In Haubers Salon sind die ersten Maßnahmen in solchen Fällen Head Spa Treatments, bei denen die Kopfhaut fachgerecht gepeelt wird. Die Fachleute können von der sanften Detox-Maske mit Aktivkohle – unverhandelbarer Bestandteil des ersten Pflanzenhaarfärbe-Termins – bis hin zum intensiven Peeling verschiedene Register ziehen, um für Klarheit auf dem Kopf zu sorgen. In ganz sensiblen Fällen gibt es ein Öl-Treatment. Erst kommt eine reizlindernde Öl-Packung, die ungewünschte Moleküle an sich bindet, dann wird das Öl vorsichtig abgewaschen, dann folgt eine Maske mit Moisturizern. Egal welche Methode zum Großreinemachen gewählt wird, eines eint sie: „Haut und Haar fühlen sich danach einfach super an. Man hat ein total erfrischtes Kopfhautgefühl!“
Auch für daheim empfiehlt Hauber gelegentlichen Großputz. Bei empfindlicher Haut rät er zu Masken, die durch kontaktfreudige Stoffe wie Tonerde oder Kohle Stylingreste an sich binden und ohne Stress für die Haut entfernen. Oftmals enthalten sie auch pflegende Öle, etwa Borretschsamenöl. Bei eher fettigen Kopfhäuten oder im Falle sehr intensiven Stylings darf’s auch ein Rubbelpeeling sein, beteuert er. „Man muss sie aber vorsichtig anwenden, mit wenig Druck.“ Nur von AHA-Produkten für den Kopf rät der Fachmann ab. „Die Säuren können die Kopfhaut schnell überfordern, weil sie nicht so perfekt dosiert werden können wie im Gesicht.“
Zu den Ablagerungen, gegen die das Peeling helfen soll, zählen schlecht vermeidbare Umweltgifte wie Feinstaub – und Vermeidbares wie Silikone aus konventionellen Pflegeprodukten. Auf sie ist Hauber richtig schlecht zu sprechen. Zum einen wegen ihrer Neigung, sich peu à peu anzulagern, sprich: sich zu akkumulieren. Den Haaren raubt der ungewollte Ballast Volumen und Kraft, die Haut kann nachhaltiger leiden. „Die Menschen, die mit stark gereizter Kopfhaut zu uns kommen, haben auffällig oft silikonhaltige Stylingprodukte verwendet.“ Über das Warum? wird in der Forschung noch gestritten. Eine aktuelle These: Unter dem akkumulierten Silikon kann das Mikrobiom der Kopfhaut aus dem Gleichgewicht geraten. Der Beleg dafür steht aber noch aus.
Zu den Nachteilen für Haut und Haar kommt der ökologische Aspekt. „Auch wenn Silikone zum Beispiel auf den Spitzen von blondiertem Haar wirklich nützlich sein können, bleiben sie am Ende doch Plastik, das wir in unsere Meere spülen.“ In der EU-Gesetzgebung trägt man diesem Fakt bereits Rechnung. Einige spezielle Silikonverbindungen, sogenannte zyklische Silikone, dürfen ab 2027 so gut wie gar nicht mehr eingesetzt werden, weil sie biologisch nicht abgebaut werden können.
Wäre dann nicht das Beste, Stylingprodukte gänzlich aus dem Bad zu verbannen? Rainer Hauber winkt ab. „Das empfehle ich niemandem. Schöne Haare sind eine herrliche Sache, und wenn das richtige Styling sie schöner macht – wieso sollte man dann darauf verzichten?“
Er mahnt nur, bei der Verwendung die Kopfhaut nicht zu vergessen, sie also so wenig wie möglich mit den Glanz- und Haltgebern in Berührung kommen zu lassen und regelmäßig zu peelen. Daran, dass schöne Haare ein echter Trumpf fürs Lebensgefühl sind, hat niemand weniger Zweifel als Hauber. Fast wäre er Architekt geworden, weil er schon immer eine Ader fürs Gestalterische hatte. Dass seine Wahl dann doch auf den Friseurberuf fiel, ist ein großes Glück, sagt er heute. „Als Architekt arbeitest Du jahrelang, bis etwas fertig ist. Als Friseur habe ich jeden Tag Erfolgserlebnisse, weil ich jeden Tag auf schöne Haare und in glückliche Gesichter blicke.“
In der Toxikologie gelten Haare als „Bio-Archiv“, weil sie Stoffe stärker speichern als zum Beispiel Haut. Die Partikel aller Art, die sich in der porösen Schuppenschicht akkumulieren, spielen dabei aber keine Rolle. In der Forensik blickt man auf Stoffe, die beim Wachstum aus dem Blutkreislauf ins Haarinnere gelangen und Zentimeter für Zentimeter zeigen, was wann im Körper war. Durch Analyse einzelner Haarabschnitte kann man Vergiftungen daher sogar zeitlich rekonstruieren.“
Bildcredits: reviderm
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